Wien
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[bearbeiten] Geographie
Die Entwicklung zu einer der bedeutendsten und größten Städte Mitteleuropas verdankt Wien unter anderem seiner günstigen geographischen Lage zwischen den nordöstlichen Ausläufern der Alpen. Die historische Stadt entstand ausschließlich südlich der Donau, die sich hier leicht durch- bzw. überqueren ließ, da sich der Strom im Wiener Becken auf zahlreiche Arme mit Inseln dazwischen aufteilte.
Heute wird Wien in 23 Bezirke unterteilt. Die historische Altstadt, heute Großteil des 1. Bezirks, war bis zum Jahre 1850 deckungsgleich mit dem Stadtgebiet. Unter Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn (1830-1916) kam es zur ersten größeren Stadterweiterung: Die Vorstädte, die Gemeinden innerhalb des Linienwalls, kamen als 2. bis 8. (seit der Teilung des ursprünglichen 4. Bezirks in zwei Bezirke: 9.) Bezirk zur Stadt. Am 1. Januar 1892 kam es zur zweiten großen Stadterweiterung. Die Außenbezirke am rechten Donauufer, damals noch Vororte, wurden eingemeindet, Wien hatte nun 19 Bezirke. 1900 wurde der nördliche Teil des 2. Bezirks zum 20. Bezirk. In vielen Bezirken sind für einzelne Stadtteile noch die Namen der früher selbstständigen Dörfer erhalten, die heute teils als "Grätzl" weiterbestehen.
Wiens 23 Bezirke
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[bearbeiten] Politik und Wirtschaft
| Wohnbevölkerung heutiger Gebietsstand | |
|---|---|
| Datum | Einwohner |
| 1754 | 175.460 |
| 1796 | 235.098 |
| 1810 | 224.548 |
| 1830 | 401.200 |
| 1840 | 469.400 |
| 1850 | 551.300 |
| 1857 | 683.000 |
| 1869 | 900.998 |
| 1880 | 1.162.591 |
| 1890 | 1.430.213 |
| 1900 | 1.769.137 |
Erste Besiedelungen lassen sich für die Jungsteinzeit nachweisen. Die Kelten nannten die Stadt Vedunia, die Römer sprachen von Vindobona. Unter dem Adelsgeschlecht der Babenberger erlebte Wien einen ersten Aufschwung, doch Weltgeltung verschaffte der ehemaligen Reichshaupt- und Residenzstadt erst die Herrscher-Dynastie der Habsburger, die Wien 1278 als Hauptsitz der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und ab 1806 des Vielvölkerstaates Österreich erwählten.
1529 wurde Wien erstmals von den Türken belagert. Die Belagerung blieb zwar erfolglos, doch wurde die Stadt anschließend mit 11 Bastionen aus Mauerwerk versehen und von einem Graben umgeben. Um Wien entstand ein Glacis, ein breiter, unverbauter Bereich, der den Verteidigern ein freies Schussfeld ermöglichte. Diese Befestigungsbauten, die bis ins 17. Jahrhundert hinein den Hauptteil der Bautätigkeit ausmachten, sollten sich 1683 bei der Zweiten Türkenbelagerung bewähren, denn sie schützten die Stadt zwei Monate lang, bis die türkische Armee ihre Kampfrichtung änderte und somit die Belagerung auch diesmal erfolglos endete. Wien konnte sich zwar stets gegen die Türken behaupten, die ständige Bedrohung durch die Osmanen hemmte jedoch lange Zeit das Wachstum der Stadt.
In der Folge setzte rege Bautätigkeit und ein Aufblühen der Stadt ein. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde Wien weitgehend barockisiert (Vienna gloriosa). Das Gebiet innerhalb der Stadtmauer platzte rasch aus allen Nähten, man wich in die Vorstädte aus. Der Adel begann, das ganze Umland mit seinen Gartenpalais zu überziehen. Am bekanntesten sind Palais Liechtenstein, Palais Auersperg und Palais Schwarzenberg sowie vor allem das Schloss Belvedere, das Gartenpalais des Prinzen Eugen von Savoyen. Seit 1704 hatten die Vorstädte zudem ihr eigenes, großzügig angelegtes Befestigungssystem, den Linienwall.
Nach den Einschnitten durch die großen Pestepidemien von 1679 und 1713 wuchs die Bevölkerung ständig. Für 1724 schätzt man 150.000 Einwohner, um 1790 waren es bereits 200.000. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Manufakturen gegründet, die erste in der Leopoldstadt. Damals entwickelten sich Kanalisation und Straßenreinigung, was die hygienischen Verhältnisse verbesserte. Ebenso fallen die Einführung der ersten Hausnummern (der Konskriptionsnummern) sowie die Anfänge eines staatlichen Postsystems in diese Zeit. Unter Kaiser Joseph II. wurde zudem die Stadtverwaltung 1783 modernisiert: Es wurden eigene Beamte für den Magistrat der Stadt eingeführt. Zur selben Zeit wurden auch die innerstädtischen Friedhöfe aufgelöst und mit dem Aufblühen der Stadt entwickelte sich Wien bald zu einem der wichtigsten europäischen Kulturzentren.
In den Koalitionskriegen wurde Wien gleich zweimal von Napoléon Bonapartes Truppen eingenommen. Die erste Besetzung am 13. November 1805 erfolgte kampflos: Die französische Armee zog ungehindert in die Stadt und wurde von der Bevölkerung eher neugierig als ablehnend begrüßt. Der deutsche Kaiser des Alten Reiches (HR Reich Deutscher Nation) in Wien, Franz II., legte 1806 auf Druck Napoléons dessen Krone nieder und trug jetzt allein die neue österreichische Kaiserkrone, die er 1804 (nach französischem Vorbild) aufgesetzt hatte. Die zweite Besetzung Wiens im Jahr 1809 hingegen gelang nur nach schwerem Beschuss. Kurz darauf hatte aber Napoléon in der Schlacht bei Aspern seine erste größere Niederlage zu verkraften. Nachdem Napoléon in den folgenden Befreiungskriegen endgültig besiegt war, fand in Wien vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 der Wiener Kongress statt, der die politischen Verhältnisse in Europa neu ordnete.
Die folgende kaiserliche Politik der Restauration, getragen von Fürst Metternich, brachte Zensur und Spitzelwesen. Die Mitsprache der Bevölkerung war nicht gefragt; sie musste sich auf ihr Privatleben beschränken, die Biedermeier-Kultur entstand. Die erste Hälfte dieses Jahrhunderts war aber - im Widerspruch zur "beschaulichen Idylle", wie sie die Biedermeierkunst zeigt - geprägt von einer intensiven Industrialisierung, 1837 begann bei Wien Österreichs Eisenbahn-Zeitalter.
- Industrieausstellungen 1839, 1845
Die französische Februarrevolution 1848 wirkte sich auch in Wien aus. Am 13. März brach zunächst die Märzrevolution aus, die Staatskanzler Metternich schließlich zum Rücktritt zwang, am 6. Oktober dann die Wiener Oktoberrevolution. Letztlich siegte das kaiserliche Militär gegen die Demokraten. 1850 wurde die Stadt erweitert, indem vor allem der Bereich innerhalb des Linienwalls eingemeindet und in Bezirke unterteilt wurde. In diesem Zusammenhang wurden ab 1858 die Stadtmauern um die Altstadt geschleift und an ihrer Stelle die Wiener Ringstraße gebaut, die mit Monumentalbauten gesäumt wurde. Vom "Ringstraßenstil" ist Wien architektonisch entscheidend geprägt. Diese Zeit gipfelte in der Weltausstellung 1873; mit dem während der Ausstellung erfolgten großen Börsenkrach ging die Gründerzeit zu Ende.
Nach der großen Überschwemmung von 1830 hatte es immer wieder Überlegungen zu einer Donauregulierung gegeben, diese wurde 1868 bis 1875 durchgeführt. In dieser Zeit stieg die Bevölkerung Wiens stark an, vor allem aufgrund der starken Zuwanderung. Die seit 1869 regelmäßig durchgeführten Volkszählungen zeigten schließlich im Jahr 1910 den historischen Höchstwert von 2.031.000 Einwohnern - auf der Fläche des heutigen Wien waren es sogar 2.084.000. Der starke Zustrom von Arbeitskräften hatte zur Folge, dass sogar der Wiener Untergrund "besiedelt" wurde.
[bearbeiten] Musik
Der hohe Stellenwert der Musik in Wiens kulturellem Leben wurde dadurch begünstigt, dass die Habsburger Kaiser seit Ferdinand III. (1637-1657) selbst ausgebildete Musiker waren. Mit Ferdinand, Leopold I. (1657-1705) und Joseph I. (1705-1711) traten sie auch als Komponisten hervor. Unter der Regentschaft Karls VI. (1711-1740) wirkten Johann Joseph Fux und sein Vizekapellmeister Antonio Caldara als hervorragende Vertreter des musikalischen Spätbarock. Mit Maria Theresia (1740-1780), die sich durch eine schwierige politische Lage zu Sparmaßnamen gezwungen sah, verlor die kaiserliche Hofkapelle allmählich an Bedeutung. Gleichwohl blieb Wien Ort musikgeschichtlich bedeutender Ereignisse wie etwa Christoph Willibald Glucks Opernreform. In die Regierungszeiten Josephs II. (1780-1790), Leopold II. (1790-1792) und Franz II. (Röm. Kaiser 1792-1806 als Römischer Kaiser, seit 1804 bis 1835 als Franz I. Kaiser von Österreich bis 1835) fiel schließlich das als "Wiener Klassik" berühmt gewordene Wirken Joseph Haydns, Wolfgang Amadeus Mozarts und Ludwig van Beethovens. Mozart lebte seit 1781 bis zu seinem Tod 1791 als freier Künstler in Wien, Haydn hielt sich hier seit 1790 auf (bis 1809) und Beethoven zog 1792 von Bonn nach Wien, wo er 1827 starb. ... Den letzten kulturellen Höhepunkt bildete die Wiener Moderne; in der Architektur wurde die Stadt zu einem Zentrum des Jugendstils, der vor allem mit der Künstlervereinigung Secession (die ihr charakteristisches Secessionsgebäude am Karlsplatz baute) verbunden ist. In der Musik wirkten Gustav Mahler und Franz Lehár und mit Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg entstand die "Zweite Wiener Schule".
[bearbeiten] Öffentliches Konzertwesen
Seit der zweiten Hälfte des 18. Jh.s verlagerte sich das Musikleben der Stadt zunehmen in bürgerlich-öffentliche Räume. 1771 gründete F. L. Gaßmann eine Tonkünstler-Sozietät, die zugunsten einer Pensionskasse für Berufsmusiker öffentliche Konzerte veranstaltete. 1812 erfolgte die Gründung der Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaates, die zunächst aus Liebhabern bestand und einige gigantistische Aufführungen Händelscher Oratorien veranstaltete. Seit 1815 aber leistete sie mit regelmäßigen Gesellschafts-Konzerten den wichtigsten Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt, der sich bald durch die Anlage einer Bibliothek und das 1817 gegründete Konservatorium nicht mehr nur auf Konzerte beschränkte. Ein dritter wichtiger Konzertveranstalter waren zwischen 1819 und 1848 die von Franz Xaver Gebauer ins Leben gerufenen 'Concerts spirituels, die sich besonders um Aufführungen Beethovenscher Werke verdient machten. 1842 gründete Otto Nicolai als Erster Kapellmeister der Hofoper die Philharmonischen Konzerte, die seit 1860 zu einer ständigen Einrichtung wurden.
[bearbeiten] Musikalische Salons
Mit der Restauration seit dem Wiener Kongress 1814/15 wurde das Bürgertum aus der politischen Mitbestimmung verdrängt, und in der privaten oder halb-öffentlichen Sphäre großbürgerlicher Salsons entstand eine Kultur der artifiziellen Zerstreuung, die als Biedermeier in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Neben Literatur und Malerei spielte in diesen Salons die Musik eine wichtige Rolle. Persönlichkeiten wie der Literat Franz Grillparzer, der Maler Moritz von Schwind und der Musiker Franz Schubert bevölkerten die in den Salons zusammentreffenden Gesellschaften.
[bearbeiten] Pianisten in Wien
Unter den in Wien konzertierenden Instrumental- und Vokal-Virtuosen erregten im 19. Jahrhundert besonders die Pianisten das Publikumsinteresse. Etliche von ihnen ließen sich vorübergehend oder dauerhaft in Wien nieder wie Carl Czerny, Ignaz Moscheles, Ferdinand Ries, Johann Nepomuk Hummel, Wolfgang Amadeus Mozart (Sohn), Franz Liszt, Sigismund Thalberg, J. Epstein, Theodor Leschetitzky, Alfred Grünfeld. Andere gastierten mehrfach dort wie Carl Maria von Weber, Friedrich Kalkbrenner, Frederic Chopin, John Field, Clara Wieck, Adolph Henselt, Camilla Pleyel, Theodor Kullak, A. Dreyschock, Hans von Bülow etc.
[bearbeiten] Wiener Zeitungen
[bearbeiten] spezielle Musikzeitungen
- Wiener Allgemeine Musikalische Zeitung (1813)
- Allgemeine Musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (1817-1824)
- Allgemeiner Musikalischer Anzeiger (1829-1840, Castelli)
- Allgemeine Wiener Musikzeitung (1841-1848, gegr. v. August Schmidt)
[bearbeiten] Kunstzeitungen
- Allgemeine Theaterzeitung
- Sammler
- Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode
[bearbeiten] Musikverlage
Notendruck in Wien bereits seit frühem 16. Jh.: Johannes Winterberger, Johann Singrenius, Raphael Hofhalter, Leonhard Formica
- 1778 Gründung des Musikverlags Artaria & Co.
- Kunst- und Industriecomptoir
- Cappi
[bearbeiten] Klavierbau
Die wachsende Einwohnerzahl zwischen 1724 und 1790 barg auch eine Reihe von zugezogenen Klavierbauern, die in der Kulturmetropole Wien ihr Glück zu machen versuchten. So stammen einige der berühmtesten Namen, die sich mit dem Wiener Klavierbau verbinden, nicht aus Wien selbst:
- Anton Walter aus Schwaben, vor 1780 in Wien
- Johann Jakob Könnicke aus Braunschweig, seit 1790 in Wien
- Johann Schantz aus Böhmen, seit spätestens 1791 in Wien
- Michael Schweighofer aus Bayern, seit 1792 in Wien
- Johann Jakesch aus Mähren, seit 1793 in Wien
- Matthäus Andreas Stein aus Augsburg, seit 1794 in Wien
- Nannette Streicher aus Augsburg, seit 1794 in Wien
- Joseph Brodmann aus Preußen, seit spätestens 1796 in Wien
- Conrad Graf aus Württemberg, seit spätestens 1798 in Wien
- Martin Seuffert aus Würzburg, seit ca. 1805 in Wien
- Johann Joseph Schöfstoß aus dem Rheinland, seit 1811 in Wien
- Joseph Franz Ries aus Bonn, seit ca. 1819 in Wien
- Friedrich Ehrbar aus Hildesheim, seit 1848 in Wien
Im Jahr 1825 gab es in Wien schätzungsweise um die 140 Klavierbauer.
Eine Aufstellung aller Tastenwiki-Artikel über Wiener Klavierbauer findet sich in der Kategorie:Wien

