Richard Wagner

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Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Franz Liszt in Weimar, um 1853

"...An Deinem Geburtstage habe ich in Paris musicirt: meinen 2 bis 3 alten Pariser Freunden (einen davon hast Du genossen!) mußte ich endlich einmal etwas von mir zum Besten geben. Von Erard erhielt ich einen Flügel in's Haus (der mir übrigens die fanatische Sehnsucht beigebracht hat, mit einem solchen Flügel noch fliegen zu können, müßte ich auch erst den fingersatz noch lernen!) Da habe ich denn nun am boulevart des Italiens getannhäusert und gelohengrint, als wenn Ihr dabei wäret: die armen Teufel wußten gar nicht, warum ich so außer mir wäre! ..."[1]

[bearbeiten] An Franz Liszt in Weimar; Zürich, 15. II. 1855

"...Am 25ten reise ich ab. Wenn Du mir etwas nöthiges nach London schon zunächst zu schreiben hättest, so adressire an Ferd. Praeger, 31 Miltonstr. Dorset- Square. bei ihm steige ich zunächst ab, bis ich eine hübsche Wohnung habe. - Sage, könntest Du mir nicht eine Empfehlung geben an den Londoner Erard, dass er mir einen hübschen Flügel in meine Wohnung stelle?? - Klindworth erwarte ich gern. Leb' Du wohl, für heute! Mach' mir bald wieder rechte Freude und Grüsse!! Dein RW"[2]

[bearbeiten] An Otto Wesendonck in Zürich; London, 21.III.1855, 22. Portland Terrace, Regents Park

"... Uebrigens habe ich nun einen schönen Erard'schen Flügel im Hause: ein Stehpult zum Schreiben musste ich mir von einem Zimmermann besonders anfertigen lassen; nirgends war ein solches sonst zu bekommen. ..."[3]

[bearbeiten] An Franz Liszt, Weimar, Zürich, 13.IX.1855

"In dem Hôtel (Pension) Baur au lac - wo Du wohntest, kann man den Winter höchst brillant, geräumig und bequem für sehr wenig unterkommen. Eine Familie, die ich kannte, hatte vorigen Winter fast die ganze erste Etage in Beschlag genomen und sich in sehr anständige Kost gegeben, was immens wenig betrug. Dort wohnen auch Wesendonck's und es würde sich da eine ganz famose - halbgemeinschaftliche - Wirthschaft aufschlagen lassen, die mir viel Spass machen sollte. - Nun - die Hauptsache bleibt denn doch, dass wir beide ein gutes Piano für uns haben: und dafür will ich sorgen, wenn ich auch kein so herrliches Instrument stellen kann, als ich in London von Erard bekam, und wofür ich Dir meinen Dank zu sagen noch vergessen habe. Ich glaube, wenn ich solch ein Instrument einmal bekäme, ich lernte noch Klavierspielen..."[4]

[bearbeiten] An Franz Liszt, Weimar, Mornex, 21. VII. 1856:

"Du Franz! Da habe ich einen göttlichen Einfall! - / Du musst mir einen Erard'schen Flügel verschaffen!!! - - / Schreib' an die Wittwe Du besuchtest mich alle Jahre drei mal (!) und da müsstest Du durchaus einen besseren Flügel als den alten hinkenden Härtel haben. Mache ihr hundert tausend Flausen weiss, binde ihr auf, es sei für sie ein Ehrenpunkt, dass in meinem Hause ein Erard stünde. - / Kurz - denke nicht nach, sondern verfahre unverschämt genial! Ich muß einen Erard haben. Will man mir ihn nicht schenken, so sollen sie mir ihn pumpen - auf ellenlange Termine! - / Adieu!"[5]

[bearbeiten] An Franz Liszt, Weimar, Mornex, 16. VIII. 1856

"Da lies die herrliche Antwort auf meinen Brief an den König! - - - / Ich bin auf der Abreise von Mornex. - Am 20sten September will ich gesünder sein als je! / Schreibe doch der Erard, sie soll mir augenblicklich einen Flügel schicken, ich will jedes Jahr 500 fr. abzahlen. Gewiss: - - Ich muss ihn haben, wenn Du bei mir bist. - - / Habe Glück u. Freude![6]

[bearbeiten] An Marie von Sayn-Wittgenstein, Weimar, Zürich, 8. Febr. 1858

"Mein liebstes Kind! / Ich ging recht beruhigt und selbst erbaut von Paris fort. Zum ersten Male machte ich unter Franzosen sympathische Bekanntschaften, was mir zuvor fast undenklich schien. Hierzu rechne ich die Familie Hérold, in die mich Ollivier einführte; dort lebte der Tannhäuser, den man in Wien - zu grösster Zufriedenheit - und in Berlin - zum grossen Missvergnügen - gehört hatte. Der innige Enthusiasmus dieser Familie war mir höchst überraschend. Selbst der Familie Erard wusste ich ziemliche Wärme abzugewinnen; ein nach Paris berichtetes Abenteuer, das mir sehr rührender Weise im Strassburger Theater durch eine überraschend gute Aufführung der Tannhäuser- Ouverture begegnet war, lenkte eine besondere Theilnahme auf mich. Dieses Abenteuer, das mich sehr tief ergriff, erzähle ich Ihnen einmal mündlich; es hat sehr entscheidend auf meine Stimmung gewirkt. Unter so günstigen Umständen glückte es mir auch leicht, Madame Erard einen schönen Flügel für mich abzugewinnen; ich darf ihn in 4 bis 6 Wochen erwarten, und Bruder Franz [Liszt] wird nun bei mir dem Stolze, schlechte Klaviere so zu behandeln, dass sie wie gute klingen, nicht mehr fröhnen können. Ich freue mich auf den Ankömmling ungemein. Madame Erard aber habe ich die Dedication meiner ersten in Paris erscheinenden Oper versprochen..."[7]

[bearbeiten] An Cosima von Bülow, Berlin, Zürich, 1. März 1858

"...An Blandine schreibe ich nun meinen nächsten Brief am nächsten miserablen Tage. Sie war mir tief wohlthätig in Paris, und wird es mir überall sein, wo sie mein Stern wieder in meine Nähe führt. Wenn Ihr guten Kinder davon eine Ahnung hättet, wie mir's in Paris zu Muthe war! Blandinen muss ich doch manchmal albern vorgekommen sein; es war meine einzige Erheiterung, wenn ich das mitunter bemerkte. Aber bei Erard's war ich sehr liebenswürdig; das muss mir Blandine bezeugen können: denn es galt, mir einen »Erard« selbst zu erobern. Auf diesen Flügel, der nun bald ankommen soll, gründete ich nämlich sogleich die einzigen Hoffnungen auf erquickliche Zukunft; denn auf dem soll mir nun Hans Abends vorspielen, wenn Ihr wieder da seid, und wenn ich den Tag über wieder recht lustig war. Vor Allem sollen dann auch die Schlittschuhläufe nicht mehr Hans's Finger zum Stolpern bringen. - ..."[8]

[bearbeiten] An Minna Wagner, Brestenberg, aus Zürich, Montag. 3. Mai 1858

"So eben, gute Minna, ist der Erard ausgepackt und aufgestellt, trotz Regen und Wetter. Was das für eine Wonne ist; auf solchem Instrumente zu spielen, kann nur der Spieler selbst recht empfinden: der leiseste Anschlag, kaum berührend, bringt sogleich den zarten Glockenton hervor, der, wenn man etwas stärker drückt zur hellen vollen, aber immer weichen, wohligen Glocke wird. Ich kann so leise drauf spielen, dass mich beim Komponiren kein Mensch im Nebenzimmer hören würde. - Nun, da war es doch einmal eine Freude, die sich freundlich in mein Leben stielt!..."[9]

[bearbeiten] An Camille Erard, Paris, aus Zürich. 4 Mai 1858

"Hochgeehrteste Frau! / Seien Sie versichert, dass ich selten eine bedeutungsvollere Freude empfand, als die mir jetzt durch die Ankunft des herrlichen Flügels bereitete, den ich ohne Ihre besondere Güte sobald noch nicht mir hätte gewinnen können. Gerade jetzt durchlebte ich wieder eine so kummervolle und in jeder Hinsicht niederdrückende Zeit, dass ich, von Leiden und Trostlosigkeit aller Art eingenommen, seit zwei Monaten jedes Sinnes für künstlerische Arbeiten beraubt war, und gänzlich darin mich hatte unterbrechen müssen. Nun ist etwas Ruhe eingetreten, aber ich suchte vergebens den Faden meiner musikalischen Conceptionen wieder anzuknüpfen, und widerwillig verlor ich alle Lust. Da kam denn gestern der Flügel in mein Haus: schon dass er kam, der sonst so oft ersehnte, gab plötzlich meinen so niederdrückenden Gedanken eine andre Richtung; als ich ihn aber öffnete und seine Tasten zuerst berührte, fiel es mir plötzlich wie Nebel von der Seele; die weichen, schönen Töne lockten mich mit einem Male wieder ganz in das Gebiet meiner Kunst hinüber, wo ich einzig Trost und Erhebung über das Ungemach des Lebens finden soll. Heute habe ich wieder begonnen zu arbeiten, und meine Musik schmeichelt mir wieder den Gram hinweg! / Urtheilen Sie nun, meine Hochverehrte, mit welchem Gefühle ich Ihnen für die grosse Güte und Rücksicht danke, die mir einzig gerade jetzt schon es ermöglichte, einen solchen vertrauten Freund und Genossen in mein Haus zu erhalten! ..."[10]
  • In einem Brief vom 11. Mai 1858 aus Zürich an seine Gönnerin Julie Ritter beschreibt Richard Wagner seine Reise nach Paris im Januar 1858. Dort hatte ihm Camille Erard-Février (1813-1889), seit 3 Jahren Witwe des 1855 verstorbenen Pierre Érard, einen Erard-Flügel geschenkt, den er merkwürdigerweise mit dem Schwan des Grals vergleicht:
"..., Sie liebe teure Freundin! – Dass ich wieder Ihre Handschrift sah, hat mich innig erquickt; es konnte mir kein lieberes und schöneres Geschenk gemacht werden, als diese gesegneten Zeilen von Ihnen [...] Im vergangenen Januar machte ich einen kurzen Ausflug nach Paris – eigentlich fast nur, um mir eine Diversion für meine beklemmende häusliche Lage zu gönnen! – Aussichten für dort habe ich wohl gar nicht; man faselte viel davon, dass die Pariser Theater sich nächstens mit mir würden befassen müssen; doch konnte ich diese Notwendigkeit nicht erkennen, und ob sie mich suchen werden, muss ich sehr dahingestellt sein lassen, wogegen ich nur das eine bestimmt weiss, dass ich – sie nicht suchen kann. Doch machte ich einige angenehme Bekanntschaften, die mich für diesmal etwas mit dem französischen Geiste versöhnen; vor allem erwarb ich mir ein ganz unschätzbares Geschenk: Madame Erard verehrte mir einen herrlichen Flügel, der vor 8 Tagen bei mir angekommen ist, wie der Schwan des Grals, um mich wieder in das Land zurückzuführen, in dem ich einzig heimisch sein soll..."

[bearbeiten] An Dr. Standhartner, Mariafeld bei Meilen. 12 April 1864

"...Jetzt heißt's, meine Ehre schonen, und dem deutschen Publikum wenigstens nicht die Freude zu machen, mich auch da heruntergebracht zu haben. / Ich kann mir von deutschen Seelen nicht einen Gulden zur Besserung meiner augenblicklichen Lage verschaffen. Alle Bemühungen darum Seitens meiner vortrefflichen Gastfreundin sind wiederum vergebens gewesen. Ich kann von mir aus jetzt gar nichts zur Ordnung meiner Angelegenheiten beitragen. Was Euch, Dir und Liszt, gelingt, scheint - nach dem Beginne - auch nicht von einigem Belang zu werden. Mir könnte doch nur Einer helfen - nicht Viele, - nämlich: der Rechte; er existirt gewiß, - aber wie ihn finden? Endlich müßte man aber doch versuchen, ihn zu finden. Mir geht der reiche Instrumentmacher Streicher [ Johann Andreas Streicher ?], der immer eine halbe Million baar bei sich liegen haben soll, nicht aus dem Sinn. Ich möchte ihm selbst schreiben: es handelt sich nach meinem Sinn um eine ehrliche Anleihe auf 1 Jahr. Erkundigungen über seinen Charakter wären nöthig: dann bäte ich um seinen völligen Namen. - ..."[11]

[bearbeiten] Bösendorfer

  • "Der Pianofortefabrikant Bösendorfer hatte zum Zweck der Proben zwei seiner trefflichsten Flügel nach Bayreuth geschickt. Die gemeinsamen Übungen in der Halle von Wahnfried dauerten vormittags von 1/211 bis 1/21 Uhr, und nachmittags von 1/26 Uhr ab, immer unter Anleitung Wagners; einer oder der andere der in der 'Nibelungenkanzlei' beschäftigten Musiker saß am Flügel und führte die Begleitung aus."[12]

[bearbeiten] Ibach

  • "Am 7. November [1882?] war auch von seiten der Firma Ibach in Barmen für seinen Salon im Vendramin, worin der bisherige große Mietflügel zuviel Raum einnahm, ein kleiner Konzertflügel 'mit extra weich bearbeitetem Ton' eingetroffen, wie er ihn, nach einem gegen den Inhaber dieser Firma, Herrn Rudolf Ibach, getanen Ausspruch liebte. In der Tat erfreute ihn dieser sanfte Ton, und er schrieb unter dem gleichen Datum seinem 'geehrtesten Freunde und freundlichsten Wohltäter', daß er nur noch weiche Musik komponieren werde. 'Sie haben in der Auswahl Ihrer vorzüglichen Instrumente jedenfalls das für mich jetzt allergeeignetste getroffen: meine musikalische Stimmung ist jetzt durchaus mild und allem Schreienden abhold.' Abends phantasierte er darauf, und Loewes Ballade 'der Jüngling von Elbershöh' floß mit ein, die ihm durch ihren wohligen Schluß echt deutsch erschien. Wiederholt setzte er sich nun abends wieder an den Flügel, sei es nun für die A dur-Sonate Beethovens, deren ersten Satz er so recht für ein Beispiel dessen erklärte, was er unter 'unendlicher Melodie' verstehe; oder für die 1844 von ihm zu Webers Bestattung komponierte Trauermusik aus 'Euryanthe' oder den Schluß der 'Egmont'-Ouvertüre, die er nicht allein für 'heroisch', sondern 'echt niederländisch' erklärte. Er lächelte darüber, daß, nach einer brieflichen Äußerung Malwidas, sie - nach dem 'Parsifal' - selbst Beethoven nicht mehr recht würdige, was ihm gar nicht gefallen wollte."[13]

[bearbeiten] Nachweise und Anmerkungen

  1. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 5: Briefe September 1852 bis Januar 1854. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 11335 (vgl. Wagner-SB Bd. 5, S. 455)
  2. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 6: Briefe Januar 1854 bis Februar 1855. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 11996 (vgl. Wagner-SB Bd. 6, S. 352-353)
  3. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 7: Briefe März 1855 bis März 1856. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 12070 (vgl. Wagner-SB Bd. 7, S. 63)
  4. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 7: Briefe März 1855 bis März 1856. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 12432 (vgl. Wagner-SB Bd. 7, S. 274-275)
  5. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 8: Briefe April 1856 bis Juli 1857. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 12775 (vgl. Wagner-SB Bd. 8, S. 123-124)
  6. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 8: Briefe April 1856 bis Juli 1857. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 12824 (vgl. Wagner-SB Bd. 8, S. 149)
  7. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 9: Briefe August 1857 bis August 1858. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 13499 (vgl. Wagner-SB Bd. 9, S. 178)
  8. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 9: Briefe August 1857 bis August 1858. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 13552 (vgl. Wagner-SB Bd. 9, S. 207)
  9. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 9: Briefe August 1857 bis August 1858. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 13649 (vgl. Wagner-SB Bd. 9, S. 257)
  10. ^ Sämtliche Briefe: Bd. 9: Briefe August 1857 bis August 1858. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 13657 (vgl. Wagner-SB Bd. 9, S. 261)
  11. ^ Briefe und Briefwechsel in Einzelausgaben: König Ludwig II und Richard Wagner: Briefwechsel. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 23764 (vgl. BW-Ludwig II. Bd. 1*, S. 28)
  12. ^ Glasenapp: Das Leben Richard Wagners, Bd. 5, S. 191
  13. ^ C. F. Glasenapp: Das Leben Richard Wagners, Bd. 6, S. 724-725
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