Seuffert
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[bearbeiten] Stammbaum
[bearbeiten] Firmengeschichte
[bearbeiten] Martin Seuffert (1772-1847)
Franz Martin Seuffert wurde um 1772 als Sohn von Franz Ignaz Seuffert in Würzburg geboren. Vater und Großvater waren angesehene Orgelbauer im mainfränkischen Raum und trugen den Titel des Würzburger Hoforgelmachers. Auch Martin Seuffert erlernte zunächst das Handwerk des Orgelbauers. Eine Orgel von ihm ist in der Volkacher Wallfahrtskirche Maria im Weingarten im Landkreis Kitzingen erhalten. Bald ging er jedoch nach Wien, um sich dort bei Anton Walter im Klavierbau weiterzubilden. In der Folge arbeitete er in der 1802 gegründeten Firma "Wachtl & Comp." zusammen mit Joseph Wachtl und J. F. Bleyer an der Entwicklung eines aufrecht stehenden Hammerflügels, das wegen seiner besonderen Form den anschaulichen Namen "Forte=Piano en giraffe" bzw. "Giraffenklavier" erhielt. Um das Urheberrecht an dieser Erfindung entbrannte jedoch ein Streit, in dessen Verlauf J. F. Bleyer in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung vom November 1811 eine "Historische Beschreibung der aufrechtstehenden Forte-Pianos" veröffentlichte, in der er Seuffert der unrechtmäßigen Anmaßung bezichtigt:
- "Jeder Erfinder hat das Recht, es auf seinem Produkte anzuzeigen, dass er der Erfinder sey, indessen ist es lächerlich, wenn jemand durch ein schlecht gelungenes Machwerk sich eine Ehre als Erfinder verspricht. Wenn aber jemand die Erfindung eines anderen nachahmt und sich die Ehre der Erfindung zueignen will, so ist diess nicht blos lächerlich, sondern auch dummdreist. Die lächerliche -dreistigkeit begeht der hiesige Klaviermacher Martin Seuffert; er ahmt unsere Erfindung nach, und schreibt auf jedes Namensschild: Erfunden von Martin Seuffert in Wien. Ich wünschte doch zu wissen, was ihn zu dieser elenden Anmassung berechtigt??"
Spätestens 1811 also machte sich Seuffert selbständig, erwarb das Wiener Bürgerrecht sowie das Meisterrecht und eröffnete eine eigene Werkstatt mit der Adresse "Auf der Wieden in der Alleegasse 75-76". 1815 erwähnte ihn Ludwig van Beethoven in einem Brief an Joseph von Varena in Graz. Beethoven hatte sich im Auftrag Varenas in Wien nach einem Klavier für dessen Tochter umgesehen und antwortet nun, man könne ein gutes sechs-oktaviges entweder bei Johann Schantz für 400 oder bei Seuffert für 460 Gulden bekommen:
- "Mein werther V.!
- Nicht wohl, sehr beschäftigt war es mir nicht möglich mich selbst zu erkundigen, bis gestern – nun meine Resultate Von Schanz können sie ein so gutes piano, als er sie nur immer zu liefern im Stande ist, für den Preiß von 400 fl. W.W. Sammt Emballage mit 6 – 8 ven haben – Seiffert verlangt 460 würde es wohl auch um 400 geben – Es giebt aber noch Brave meister, wie ich höre, wo man ein gutes dauerhaftes auch noch ziemlich unter dem Preiß von 400 fl. bekommen könnte. – das ist aber nicht alles gleich geschwind ausgesucht, gefunden – gut – wie sie es von Rechtswegen haben müßen. – daher müste ich mehr Zeit haben – Antworten sie mir nun bald ob sie derley Preise genehmigen, alsdenn haben sie in einigen Wochen ein gutes dauerhaftes Piano. – ..."
Ab 1819 zog Seuffert vermutlich mit seiner Werkstatt um, denn ab dann lautet seine Anschrift "Auf der Wieden in der Favoritengasse zum goldenen Hirschen". 1827 assoziierte er sich mit dem Klaviermacher Johann Seidler und führte die Firma unter dem Namen "Seuffert und Seidler". 1836 ließ er seine Verbesserungen am "piano droit" privilegieren, und auf der 3. Wiener Gewerbsprodukten-Ausstellung 1845 erhielt er für seine Arbeiten eine Goldene Medaille. Im gleichen Jahr trat auch sein Sohn Eduard Seuffert (1819-1855) in das Geschäft mit ein, sodass die Instrumente in den Jahren 1845/46 mit "Seuffert, Sohn und Seidler" signiert wurden.
[bearbeiten] Eduard Seuffert (1819-1855)
Als Martin Seuffert am 3. Juli 1847 verstarb, hinterließ er die Firma seinem Sohn Eduard als Alleininhaber. Eduard führte in der Produktion das Prinzip der arbeitsteiligen Fertigung ein und signierte seine Instrumente zunächst mit „Seuffert Sohn“, später mit „Eduard Seuffert“.
Auf der 1. Londoner Industrie-Ausstellung 1851, der sogenannten "Great Exhibition", die als erste Weltausstellung gilt, vertrat Eduard Seuffert zusammen mit Joseph Schneider, Friedrich Hoxa, Johann Pottje und Johann Vlasky als einer von insgesamt nur fünf Ausstellern den österreichischen Klavierbau. Er präsentierte ein Pianino mit Transpositions-Vorrichtung, das Joseph Fischhof folgendermaßen beschreibt:
- "Seuffert hat ein wunderschön verziertes Pianino ausgestellt, dreisaitig, von vortrefflicher Mechanik und mit einer Transpositionsvorrichtung versehen, welche durch Drehung der an der rechten äußeren Claviaturbacke befindlichen Schraube nach rechts oder links mittelst des beigegebenen langen Stimmschlüssels die Claviatur unter andere Hammerkopftheile verschiebt, wodurch beim Anschlagen derselben Taste der höhere oder der tiefere Ton erklingt. Damit jedoch nicht weiter verschoben wird als unbedingt nöthig ist, so sind an der inneren Claviaturseitenbacke erhabene gelbe Stifte angebracht, welche die richtige Stellung der Claviatur dadurch anzeigen, daß auf jeder Seite gerade die Hälfte des gelben Knöpfchens sichtbar sein muß."[1]
Bei der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung 1854 in München erhielt Seuffert "... wegen Herstellung von flügelförmigen Pianos von außerordentlich großem und schönen Tone" eine Große Denkmünze - die höchste Preiskategorie, die nur dreimal vergeben wurde. Die ausgestellten Instrumente Seufferts wurden von Karl Emil von Schafhäutl, einem Mitglied der Beurteilungskommission, in seiner 1855 veröffentlichten Schrift "Die Pianofortebaukunst der Deutschen" eingehend besprochen. Dabei erwähnt er zunächst einen Flügel mit Erard-Mechanik:
- "...Zwischen diesen beiden stand ein Flügel von Eduard Seuffert in Wien (Nr. 3417). Auch dieser Fabrikant hatte sich starken vollen Ton zur Aufgabe gemacht. Der Ton war dabei etwas in französischer Weise scharf gehalten. In Hinsicht auf Gleichförmigkeit der Scala blieb wohl etwas zu wünschen übrig. Arbeit an Kasten und Mechanik ausgezeichnet. Das Spiel etwas zäh. Preis 1200 fl. [= Gulden]"[2]
Weiter unten beschreibt Schafhäutl drei Seuffertsche Flügel mit einer speziellen Stoßzungenmechanik:
- "Die schon einmal genannte Firma Ed. Seuffert aus Wien hatte neben dem schon erwähnten mit Erard'scher Mechanik noch drei Flügel im Preise zu 1000, 500 und 440 fl. ausgestellt. / Bei der hier angewendeten neuen Claviermechanik war die Stoßzunge in der Hammernuß eingelenkt und unten durch Stoß an eine Schraube mit Pelotenkopf beim Heben des Tastenendes sich selbst auslösend. Seuffert hatte vorzüglich auf großen Ton hingearbeitet und unter den Flügeln mit sogenanntem großen Ton, wobei, wie wir schon oben gesagt, Carl Schmidt aus Pest an der Grenze steht, über welche man wohl nicht hinauskann, war Seufferts Ton unter allen sogenannten großen der schönste, klingendste, also freieste, nämlich in seinen Schwingungen der ungestörteste. Soll überhaupt ein großer Ton, ein noch größerer als der der englischen Pianos gutgeheißen werden, so kann es bis jetzt nur der Seuffert'sche sein, und dieß war auch Motiv für die Zuerkennung der großen Denkmünze an diese Firma. / Bei Anwendung eines so großen Tones indessen läßt sich deßhalb in gleichem Verhältnisse das ganze Clavier nicht mehr durchführen, die Saiten werden in den höheren Octaven zu kurz, und desto kürzer, je dicker oder stärker die Saiten genommen werden, und der Spieler muß sich mit der linken Hand gehörig zu mäßigen verstehen, wenn die Discantpartieen seines Spieles nicht vom Basse in Schatten gestellt werden sollen. / Die Arbeit war durchaus schön, fleißig und rein, selbst bei Clavieren vom niedersten Preise."[3]
Außerdem hatte Seuffert ein aufrechtes Cabinet-Piano für 3500 fl. ausgestellt, wobei der hohe Preis "von dem in der reichsten Buhlarbeit ausgeführten Kasten" herrührte, den Schafhäutl schon in der Wiener Ausstellung gesehen zu haben glaubte.[4]
[bearbeiten] Friedrich Ehrbar
Als Eduard Seuffert 1855 in Wien starb, heiratete seine Witwe den Klavierbauer Friedrich Ehrbar, der das Geschäft übernahm und unter seinem Namen zu einem der bedeutendsten österreichischen Klavierhersteller machte.
[bearbeiten] Nachweise und Anmerkungen
- ^ Fischhof 1853, S. 115-116.
- ^ Schafhäutl (1855), S. 94.
- ^ Schafhäutl (1855), S. 95-96.
- ^ Schafhäutl (1855), S. 107.
[bearbeiten] Literatur
[bearbeiten] Quellen
- Brief Beethovens mit Erwähnung Martin Seufferts im Bonner Beethoven-Archiv
- Bleyer, J. F.: Historische Beschreibung der aufrechtstehenden Forte-Pianos, von der Erfindung Wachtl und Bleyers in Wien. In: Allgemeine musikalische Zeitung, 13. Jg., Intelligenz-Blatt No. XVII, Leipzig 1811.
- Österreichische Patente, 3. Bd., Wien 1845, S. 12.
- Wurzbach, C. v.: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, Bd. 34, Wien 1877, S. 163f.
- Anonym: Seuffert et Sohn, k. k. ausschl. priv. Fortepianofabrik in Wien (neue Wieden, Wienstraße Nr. 817). In: Wiener Industrielle Zeitung (Jahrgang?)
- Anonym: Aus der anerkannt trefflichen Fortepiano-Fabrik der HH. Seuffert & Sohn [Klaviere für den türkischen Sultan]. In: Notizen (Wiener Industrielle Zeitung)
- Fischhof, Joseph: Versuch einer Geschichte des Clavierbaues. Mit besonderm Hinblicke auf die Londoner Große Industrie-Ausstellung im Jahre 1851, nebst statistischen darauf bezüglichen Andeutungen sc. Wien 1853. Reprint, Frankfurt 1998
- Schafhäutl, Karl Emil von: Die Pianofortebaukunst der Deutschen. Repräsentiert auf der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München im Jahre 1854. Aus dem Berichte der Beurtheilungs-Commission über die musikalischen Instrumente verfaßt von Dr. Schafhäutl, Conservator und Professor. München: Verlag von Georg Franz 1855.
[bearbeiten] Sekundärliteratur
- Harding, Rosamond E. M.: The Piano-Forte. Its History traced to the Great Exhibition of 1851. London: Heckscher 1933. Completely revised edition 1978. Reprinted 1989, S. 205, 242.
- Katalog der Sammlung alter Musikinstrumente, I. Teil: Saitenklaviere, Wien: Kunsthistorisches Museum 1966, S. 63-65.
- Cizek, Verena: Die Geschichte der Firma Seuffert und Ehrbar, nebst der Geschichte des Klaviers als ausführliche Einleitung. Wien: Diplomarbeit 1989.
[bearbeiten] Instrumente
[bearbeiten] Martin Seuffert
Instrumente von Martin Seuffert befinden sich u. a.
- im Kunsthistorischen Museum Wien: Giraffenflügel, Kirsche furniert, Randeinlagen aus Ebenholz, Oberkorpus durch Tuchrahmen verschlossen, dahinter über den Saiten ein fichtener Staubboden, zwei schwarz politierte Spangen am Unterkorpus, Untertasten Bein, Obertasten gebeizte Birne, Höhe 233 cm, Breite 119 cm, Gesamttiefe 55.6 cm, Korpustiefe 28 cm. Hängende Wiener Mechanik mit Hebeldämpfung, die abgewinkelten Tastenhebel unten in Kanzellen, oben mit Vorderstiften geführt. Rückführfedern an den Hämmern. Umfang FF-f4, geradsaitiger Bezug, FF-d zweichörig, ab es dreichörig.
- in der Bundessammlung Alter Stilmöbel in Wien: Giraffenflügel von Martin Seuffert
[bearbeiten] Seuffert & Seidler
Es befinden sich
- ein Flügel von "Seuffert & Seidler" in Italien
- ein Schrankflügel von "Seuffert & Seidler" in Montreal
- ein Tafelklavier von "Seuffert & Seidler" in Wien
Fetter TextKursiver TextLink-Text===Seuffert Sohn & Seidler===
- ein Stutzflügel von "Seuffert, Sohn und Seidler", vermutlich aus den Jahren 1845 oder 1846 gebaut. Er ist nur 185 cm lang, wurde also evtl. gekürzt. Nähere technische Details sind noch unbekannt. Das Instrument befindet sich in Privatbesitz im Saarland, ist noch unrestauriert und steht zum Verkauf.
[bearbeiten] Seuffert Sohn
- Hammerflügel von "Seuffert Sohn" mit der Opusnummer 3341. Das Instrument wurde zwischen 1847 und 1855 gebaut. Auf einem Messingschild mit weißen und roten Perlmutt-Einlagen trägt es die Signatur: "GOLDENE MEDAILLE / SEUFFERT SOHN / AUSSTELLUNG 1845 / K. K. AUSSCHL. PRIVILEGIUM". Auf dem Resonanzboden befindet sich ein Stempelaufdruck mit dem Text: "E. Seuffert / IN / WIEN / Goldene Medaille / OP. 3341" Gehäuse Nussbaum furniert. Drei sechskantige Beine mit Laufrollen. Pedallyra. Untertasten Bein, Obertasten ursprünglich gebeizte Birne. Länge 225 cm, Breite 130 cm, Gesamthöhe 920 cm, Korpushöhe 370 cm. Wiener Mechanik mit Hebeldämpfung. Umfang C1-a4. Geradsaitiger Bezug. CC-HH zweichörig umsponnen, C-a4 dreichörig blank. Drei Eisenspreizen. Zwei Pedale: Verschiebung, Dämpfungsaufhebung. Weitere Fotos im Hammerflügel-Fotoarchiv

